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Stress und emotionales Essen

Essen tröstet, beruhigt und belohnt, das kennen viele. Schwierig wird es, wenn du darunter leidest oder das Gefühl hast, die Kontrolle zu verlieren. Dann gibt es Hilfe.[1]

Stand: November 2026

Was damit gemeint ist

Die Forschung beschreibt emotionales Essen als Neigung, wegen Gefühlen statt aus körperlichem Hunger zu essen. Das ist eine Gewohnheit und kein Krankheitsbild.[2] Wie gut sich das messen lässt, ist umstritten: Im Labor aßen Menschen, die sich selbst als emotionale Esser einschätzten, bei schlechter Stimmung nicht unbedingt mehr.[3]

Auch gute Stimmung lässt Menschen mehr essen. Das zeigte eine Auswertung von 33 Studien mit 2.491 Personen, in der schlechte Stimmung im Mittel ebenfalls zu mehr Essen führte.[4]

Was Stress mit dem Essen macht

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. In 54 Studien mit 119.820 gesunden Erwachsenen aßen Menschen unter Stress etwas mehr und etwas ungünstiger, die Effekte waren klein.[5] In einer Befragung von 212 Studierenden gaben 42 % an, unter Stress weniger zu essen, 38 % mehr.[6]

Fürs Gewicht ist der Zusammenhang sehr klein: 14 Langzeitstudien kamen auf r = 0,014, die meisten Einzelanalysen fanden nichts.[7]

Macht Cortisol dick?

So einfach ist es nicht. In einem Versuch mit 59 Frauen aßen jene mit starkem Cortisolanstieg am Stresstag mehr als jene mit schwachem Anstieg.[8] Dass Cortisol über das Belohnungssystem den Griff zu energiereichem Essen fördert, ist eine Theorie, die beim Menschen erst ansatzweise geklärt ist.[9] Eine Überblicksstudie am Menschen zu Cortisol und Essmenge haben wir nicht gefunden.

Was helfen kann

Sichere Mittel gibt es nicht, die Studien gehen auseinander.

  • Achtsamkeit: Eine Auswertung von 2025 fand für emotionales Essen nur einen kleinen, nicht gesicherten Effekt.[10]
  • Psychologische Programme: In 31 Studien besserte sich emotionales Essen in kleinem Maß, am aussichtsreichsten waren kognitive Verhaltensprogramme.[11]
  • Abnehmprogramme: 27 Studien fanden keinen Beleg, dass sie emotionales Essen ändern.[12]
  • Strenge Verbote: Sie können nach hinten losgehen. Laut Leitlinie fördert sehr einschränkendes Essverhalten Essanfälle.[13]

Im Alltag kann es helfen, ohne Urteil hinzusehen: Was war vorher los, wie geht es dir gerade, was würde dir jetzt sonst guttun? Essen als Trost ist kein Versagen.

Wann es mehr sein kann

Essen aus Frust ist etwas anderes als eine Essstörung. Bei der Binge-Eating-Störung kommt es wiederholt zu Essanfällen mit Kontrollverlust und starkem Leidensdruck.[13] Laut Leitlinie sind in einem Jahr rund 1,6 % der Frauen und 0,8 % der Männer betroffen.[13]

Anzeichen können sein: Kontrollverlust beim Essen, heimliches Essen, Schuld oder Scham danach, ständige Gedanken um Gewicht und Figur, Essen als Belastung statt als Genuss.[14] Das ersetzt keine fachliche Einschätzung. Essstörungen sind nie selbstverschuldet.[1]

Bei Essanfällen steht im Vordergrund, sie zu verringern. Eine zu starke Ausrichtung aufs Gewicht kann dabei im Weg stehen.[13] Zahlen in dieser App helfen dann nicht weiter.

Wo du Hilfe bekommst

Das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit erreichst du unter 0221 892031, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Es ist vertraulich und auf Wunsch anonym, auch für Angehörige.[1] Beratungsstellen in deiner Nähe findest du unter essstoerungen.bioeg.de.

Erste Anlaufstellen sind auch deine Hausarztpraxis oder eine psychologische Praxis.[15] Mehr steht unter Wann du ärztlichen Rat holen solltest.

Die App ersetzt keine medizinische Beratung.

Quer dazu

Quellen

  1. BIÖG: Telefonberatung zu Essstörungen
  2. Braden A et al.: Emotional Eating and Obesity: An Update and New Insights. Curr Obes Rep, 2025
  3. Evers C et al.: Assessing yourself as an emotional eater: mission impossible? Health Psychol, 2009
  4. Cardi V et al.: The effects of negative and positive mood induction on eating behaviour. Neurosci Biobehav Rev, 2015
  5. Hill D et al.: Stress and eating behaviours in healthy adults. Health Psychol Rev, 2022
  6. Oliver G, Wardle J: Perceived effects of stress on food choice. Physiol Behav, 1999
  7. Wardle J et al.: Stress and adiposity: a meta-analysis of longitudinal studies. Obesity, 2011
  8. Epel E et al.: Stress may add bite to appetite in women. Psychoneuroendocrinology, 2001
  9. Adam TC, Epel ES: Stress, eating and the reward system. Physiol Behav, 2007
  10. Kao TA et al.: Effects of mindfulness-based interventions on obesogenic eating behaviors. Obes Rev, 2025
  11. Chew HSJ et al.: Weight-loss interventions for improving emotional eating. Eur Eat Disord Rev, 2022
  12. Kudlek L et al.: The impact of behavioral weight management interventions on eating behavior traits. Obes Rev, 2025
  13. DGPM: S3-Leitlinie Essstörungen, AWMF 051-026, Fassung von 2018, Gültigkeit abgelaufen
  14. BIÖG: Was sind mögliche Krankheitszeichen?
  15. DGPM: Patientenleitlinie Diagnostik und Behandlung von Essstörungen, 2015