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Low Carb, Keto und Mittelmeerkost im Vergleich

Eine Ernährungsform, die allen anderen überlegen ist, gibt es nicht. Die deutsche Leitlinie stellt mehrere gleichwertig nebeneinander: Du darfst wählen, was zu dir passt.[1]

Stand: November 2026

Was die Begriffe meinen

FormWas dahintersteckt
Low CarbKeine einheitliche Grenze. Cochrane nennt unter 45 % der Energie aus Kohlenhydraten oder 50 bis 150 g am Tag[2]
KetoSehr wenig Kohlenhydrate, oft 20 bis 50 g am Tag, damit der Körper Ketone bildet[3]
MittelmeerkostKeine Grammzahl, sondern ein Muster: viel Pflanzliches, Olivenöl oder Nüsse als Fettquelle, oft mehr Vollkorn und Fisch und weniger Fleisch[4]

Zum Vergleich: Ausgewogene Kost liegt bei Cochrane bei 45 bis 65 % Kohlenhydraten.[2] Die DGE nennt für eine vollwertige Mischkost mehr als 50 %.[5]

Was beim Gewicht herauskommt

Der Unterschied ist klein. In einem Cochrane-Review mit 61 Studien machte Low Carb gegenüber ausgewogener Kost nach ein bis zwei Jahren wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied, rund 0,9 kg bei Menschen ohne Diabetes.[2]

In einer großen Studie mit 609 Erwachsenen lagen Low Fat und Low Carb nach einem Jahr 0,7 kg auseinander, und weder Gene noch Insulin sagten voraus, wem was besser passt.[6] Eine Auswertung von 121 Studien sah nach 6 Monaten ähnliche Verluste, nach 12 Monaten schrumpften sie bei allen Formen.[7]

Die S3-Leitlinie rechnet unabhängig von der Form im Mittel mit rund 5 bis 6 kg nach 12 Monaten bei einem Defizit von 500 bis 600 kcal am Tag.[1]

Was am Ende zählt

In einer Studie mit 160 Personen hing der Gewichtsverlust damit zusammen, wie gut jemand dranblieb, und nicht mit der Form.[8] Das sind Zusammenhänge, und wer abnimmt, bleibt vielleicht auch leichter dran.

Es lohnt sich also, ehrlich zu fragen: Kann ich so in einem Jahr noch essen, mit Familie, Kantine und Urlaub? Eine Form, die du nach drei Wochen aufgibst, bringt wenig.

Herz und Gesundheit

Für die Mittelmeerkost gibt es die meisten Daten zu Herz und Sterblichkeit. Die bekannte PREDIMED-Studie mit 7.447 Personen wurde 2018 wegen Fehlern bei der Zuteilung zurückgezogen und neu ausgewertet. Es blieben rund 30 % weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.[9] In einer Auswertung von 40 Studien senkten Mittelmeer-Programme und Low-Fat-Programme die Sterblichkeit, ohne überzeugenden Unterschied zwischen beiden.[10] Cochrane bleibt vorsichtiger und sieht Unsicherheit bei harten Endpunkten.[4]

Zu Low Carb und Keto fehlen solche Studien. Beobachtungsdaten zeigen, dass es auf die Quelle ankommt: Wurden Kohlenhydrate durch tierische Fette und Eiweiß ersetzt, lag das Sterberisiko höher, durch pflanzliche niedriger.[11] Die WHO nennt keine Kohlenhydrat-Menge, sondern setzt auf Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.[12]

Bei Keto kann das LDL-Cholesterin steigen. In einem kleinen Vergleich mit 33 Personen stieg es unter Keto um 10 % und sank unter Mittelmeerkost um 5 %.[13] Lass Blutfette kontrollieren, wenn du länger so isst.

Wer bei Keto vorsichtig sein muss

  • Diabetes-Medikamente: Mit SGLT2-Hemmern beschreiben Fallberichte eine gefährliche Übersäuerung schon nach kurzer Zeit. Die Produktinformation warnt allgemein vor Zuständen mit eingeschränkter Nahrungsaufnahme.[14][15]
  • Insulin und Typ-1-Diabetes: Das braucht laut Deutscher Diabetes Gesellschaft enge Kontrolle.[16]
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Fachleute raten nach heutigem Stand davon ab, die Daten sind dünn.[3][17]
  • Nieren und Leber: Bei fortgeschrittenen Erkrankungen gilt Keto als heikel.[18]

Nimmst du Medikamente oder hast du eine Erkrankung, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Von einseitigen Extremdiäten rät die S3-Leitlinie ab.[1] Mehr unter Wann du ärztlichen Rat holen solltest.

Die App ersetzt keine medizinische Beratung.

Quer dazu

Quellen

  1. DAG: S3-Leitlinie Adipositas, Prävention und Therapie, AWMF 050-001, Version 5.0, 2024
  2. Naude CE et al.: Low-carbohydrate versus balanced-carbohydrate diets for reducing weight and cardiovascular risk. Cochrane Database Syst Rev, 2022
  3. Evert AB et al.: Nutrition Therapy for Adults With Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. Diabetes Care, 2019
  4. Rees K et al.: Mediterranean-style diet for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev, 2019
  5. DGE: Referenzwerte Kohlenhydrate
  6. Gardner CD et al.: Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss. JAMA, 2018
  7. Ge L et al.: Comparison of dietary macronutrient patterns of 14 popular named dietary programmes. BMJ, 2020
  8. Dansinger ML et al.: Comparison of the Atkins, Ornish, Weight Watchers, and Zone diets. JAMA, 2005
  9. Estruch R et al.: Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet Supplemented with Extra-Virgin Olive Oil or Nuts. N Engl J Med, 2018
  10. Karam G et al.: Comparison of seven popular structured dietary programmes and risk of mortality and major cardiovascular events. BMJ, 2023
  11. Seidelmann SB et al.: Dietary carbohydrate intake and mortality. Lancet Public Health, 2018
  12. WHO: Carbohydrate intake for adults and children, 2023
  13. Gardner CD et al.: Effect of a ketogenic diet versus Mediterranean diet on glycated hemoglobin. Am J Clin Nutr, 2022
  14. Mistry S et al.: Euglycemic Diabetic Ketoacidosis Caused by SGLT2 Inhibitors and a Ketogenic Diet. AACE Clin Case Rep, 2021
  15. EMA: Forxiga, Produktinformation, Abschnitt 4.4
  16. Skurk T et al.: Empfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus. Diabetologie und Stoffwechsel, 2023
  17. Watanabe M et al.: Scientific evidence underlying contraindications to the ketogenic diet. Obes Rev, 2020
  18. Dyńka D et al.: The ketogenic diet is not for everyone. Ann Med, 2026